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Krobia aus Französisch - Guyana
von Jens Gottwald


Über die Probleme der Nomenklatur dieser Gattung hat Claus Schaefer bereits in der Februarausgabe 1996 der DCG- Info berichtet. Ich möchte einiges dazu ergänzen, mich aber vor allem mit der Haltung dieser Fische im Aquarium beschäftigen. Ich betrachte die Arten dieser Gattung als besonders interessante Pfleglinge, die sowohl den Anfänger als auch den fortgeschrittenen Aquarianer ansprechen dürften.
Keine der von mir gepflegten Krobia-Arten hat ,jemals Pflanzen zerbissen oder ausgebuddelt, nicht einmal während der Laichvorbereitungen. Die Ernährung dieser genügsamen Allesfresser ist unproblematisch, und bei Wohlbefinden erweisen sie sich als farblich äußerst attraktive Fische.


Natürliches Vorkommen und Artenn
Auf meinen Reisen nach Französisch-Guyana konnte ich einiges über die Lebensräume und die Verbreitung dieser Cichliden in Erfahrung bringen (siehe Karte). Krobia sind die häufIgsten Cichliden in den Criques (Bächen). In den großen Flüssen sind sie eher selten. Hechtbuntbarsche der Crenicichla-saxatilis- Verwandtschaft und Zwergcichliden der Gattung Nannacara besiedeln die gleichen Biotope, doch sind diese Fische deutlich seltener anzutreffen. Andere Bunt-barsche treten eher sporadisch auf. Nachdem die aus Französisch-Guyana mitgebrachten Larven und Halbwüchsigen die Zehn-Zentimeter-Marke überschritten hatten, war es möglich, anhand ihrer Lebendfärbung die Artzugehörigkeit zu bestimmen. Im Maroni- und Mana-Einzugsgebiet konnten wir ausschließlich Krobia itanyi nachweisen. Diese Art ist durch das Längsband charakterisiert, das sich nie bis in die Rükkenflosse erstreckt und das aus einzelnen Flecken zu bestehen scheint. Über die Stirn verläuft von Auge zu Auge eine breite schwarze Binde. Die Iris ist weiß, und die Körpergrundfärbung ist ein blasses Gelb. Die breite schwarze Stirnbinde ist bereits bei Jungtieren von vier Zentimetern Gesamtlänge ausgeprägt. Der Kiemendeckel ist bei erwachsenen Tieren kräftig gelb gefärbt.

Östlich des Verbreitungsgebietes von K. itanyi lebt eine wissenschaftlich wohl noch unbeschriebene Krobia-Art, die vom Organabo bis zum Approuage vorkommt. Diese Art scheint sehr variabel zu sein, denn ich traf sie in unterschiedlichen Fundortvarianten an.
Organabo und lracoubo: Diese Farbform besitzt im Jugendkleid einen kräftig orange gefärbten Kehlbereich, der sich bei erwachsenen Tieren nur noch bei starkem Wohlbefinden und während der Balz zeigt. Die Grundfärbung ist ein blasses Hellbraun oder Orange. Die Schuppen schimmern türkis, oberhalb der Seitenlinie fast blau. Die Iris ist orange gefärbt.
Sinnamary: Eine orangefarbene Kehle kennzeichnet auch diese Farbform. Die Iris ist ist bei Normalbefinden blaßrot gefärbt; bei Aufregung wird sie weißlich-orangefarben. Die Schuppen sind grün.
Kourou: Tiere aus dem Kourou-Einzug besitzen ebenfalIs noch eine orangefarbene Kehle, doch sind die Schuppen bereits kräftig grün gefärbt. Die Iris leuchtet intensiv rot.

Approuage, Cayenne und Comte: Diese Farbform wurde bereits als Krobia sp. "Rotauge" in der aquaristischen Literatur vorgestellt. Wie der Name schon sagt, leuchtet die Iris auffällig rot. Die Grundfärbung ist weißlich-grünlich. Schuppen und Kehlbereich sind grün.
Im Oyapock fingen wir eine Art, die ich als Krobia sp. "Oyapock" bezeichne. Nach dem Erscheinen von DATZ 6/1996 war ich unsicher, ob es sich überhaupt um eine Krobia-Art handelt, da dieser Buntbarsch frappierend dem dort vorgestellten Aequidens potaroensis ähnelt. Allerdings endet das Längsband nicht im Schwanzwurzelfleck, sondern oberhalb der Schwanzwurzelbasis; außerdem ist das Fortpflanzungsverhalten von Krobia sp. "Oyapock" mit dem der übrigen Krobia-Arten beinahe identisch, so dass ich die Fische bis zur endgültigen Klärung ihrer Identität als Angehörige der Gattung Krobia anspreche.
Diese Art halte ich für die schönste der gesamten Gattung. Über dem Längsband ist der Körper ansprechend hellbraun gefärbt, darunter weißlich-türkis. Auge und Unterlippe sind durch zwei auffällige Zügelstreifen miteinander verbunden. Der Kiemendeckel ist kräftig gelb.

Geschlechtsunterschiede
Krobia-Männchen erreichen nach ungefähr zwei Jahren eine Endgröße von circa 18 Zentimetern. Die Weibchen bleiben meist um drei bis vier Zentimeter kleiner. Die Geschlechtsreife tritt nach etwa einem Jahr ein. Im Alter von rund einem halben Jahr kann man die Geschlechter bereits an der Körperform erkennen. Die Männchen sind etwas langgestreckter, die Weibchen ein wenig kompakter. Mit dem Erreichen der Geschlechtsreife zipfelt bei den Männchen der vierte obere Schwanzflossenstrahl aus. Bei den Weibchen konnte ich dieses Merkmal bisher nicht sehen.

Verhalten im Aquarium
Das Verhalten sämtlicher mitgebrachter Krobia war während ihrer Aufzucht, bei ihrer Pflege allgemein, aber auch später bei der Brutpflege - nahezu identisch. Die Fische entpuppten sich als ausgesprochen robuste Cichliden. Ihre Aufzucht war problemlos, denn als Jungfische nahmen sie bereitwillig jedes angebotene Futter an. Zum Speiseplan gehörten unter anderem Frostfutter (rote Mückenlarven, Artemia, Mysis und feiner Krill, aber auch Granulat (Duplarin). Für die Erwachsenen kam noch ein selbstgefertigtes Frostfutter auf Garnelen-/Erbsenbasis dazu.
Nach meinen Freilandbeobachtungen hält man Krobia am besten im Trupp. Die innerartliche Aggressivität ist dann sehr gering. Sondert man ein Paar ab, kann es zu ernsthaften Verletzungen des unterlegenen Tieres, meistens des Weibchens, kommen. Gegenüber artfremden Fischen sind Krobia im allgemeinen friedlich. Ein Nachteil der Trupphaltung ist es, dass in zu kleinen Aquarien an eine erfolgreiche Vermehrung nicht zu denken ist. Bei den Laichvorbereitungen gab es keine cichlidenüblichen Grabarbeiten, und auch die Pflanzen wurden verschont.

Fortpflanzung
Das Fortpflanzungsverhalten der Cichliden dieser Gattung ähnelt dem der Bujurquina-Arten. Bei den Laichvorbereitungen imponieren sich die Partner gegenseitig mit aufgestellten Flossen, und das Weibchen präsentiert dem Männchen ein transportables Substrat, bevorzugt ein braunes Laubblatt. Der Laich wird auf diesem Substrat angeheftet und bei Gefahr in Sicherheit gezogen, oder das Blatt wird einfach umgedreht. Die Gelegegröße beträgt 100 bis 200 Eier. Im Gegensatz zu den larvophil maulbrütenden Bujurquina sind Krobia Offenbrüter. Die deutsche Gesamthärte des Wassers hat keinen Einfluß auf das Laichverhalten und die Eientwicklung. Allerdings scheint eine geringfügige pH-Wert-Senkung, bei mir von 7,3 auf 7,0, die Fische zu stimulieren. Krobia itanyi habe ich bisher noch nicht vermehren können. Ich pflege in einem 180-Zentimeter-Becken drei Männchen und zwei Weibchen - kein optimales Verhältnis: Als ich vor kurzem einen SchneIlfIlter aus dem Becken entfernte und nur noch einen Außenfilter mit geringer Strömungsgeschwindigkeit laufen ließ, wurden zwei Paare gleichzeitig aktiv. Trotz intensiver Balz kam es aber nicht zur Eiablage; die Tiere standen lediglich mit weit abgespreizten Bauchflossen über ihren Blättern. Die Legeröhre des Weibchens trat hervor, doch am nächsten Tag war von irgendwelchen Laichvorbereitungen nichts mehr zu sehen. Verschiedene Varianten von Krobia sp. "Rotauge" haben bereits gelaicht, doch sind die meisten dieser Tiere schlechte Brutpfleger: Nach spätestens zwei Tagen verschwanden die Gelege. Ein Grund dafür könnte die Tatsache sein, dass sich zu viele Beifische im Aquarium befanden.

Ich vermute, daß Krobia nur bei geringem Feinddruck ihre Gelege optimal betreuen. Allein ein Paar aus dem Kourou-Einzug schafft es regelmäßig, einen relativ kleinen Jungfischschwarm über eine Woche lang durch das Becken zu führen, das mit zwei Metern Kantenlänge und 720 Litern Inhalt aber auch recht geräumig ist. Von Krobia sp. "Oyapock" habe ich ein gut harmonierendes Paar, das seine Jungen nach dem Freischwimmen immerhin zwei Wochen lang betreut. Doch scheint diese Art bezüglich der Laichsubstratwahl weniger spezialisiert zu sein: Die Tiere benötigen nicht unbedingt ein transportables Blatt. Sie laichen auch auf größeren Steinen und sogar auf der Bodenscheibe des Aquariums. Die Jungfische sind sehr klein, fressen jedoch vom ersten Tag des Freischwimmens an frisch geschlüpfte Artemia-Nauplien. Insgesamt wachsen Krobia- Jungfische schnell heran
Es wäre wünschenswert, wenn sich die bisher eingeführten Arten und Varianten dauerhaft in unseren Aquarien hielten. Verdient haben sie es allemal!

Literatur
Bernhard, R. (1992) Krobia, Cichliden-Jahrbuch 2: 85
Kullander, S. O. & H. Njissen (1989)
The cichlids of Surinam Leiden, New York, Kopenhagen, Köln
Puyo, J. (1943)
Nouveaux poissons d'eau douce de la Guyane Francaise. Bull. Soc. Hist. nat. Toulouse 78: 141-149
Schäfer, C. (1996)
Krobia. DCG-Inforrnn 27: 25-41
Staek, W. (1996)
Aequidens potaroensis. D. Aqu. u. Terr. Z. (DATZ) 49: 344-345
Stawikowski, R. & U. Werner (1988) Die Buntbarsche der Neuen Welt. Südamerika. Essen