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Haltung und Zucht von Vieja Arten  

  von Peter Buchhauser   

 

 

In der letzten Zeit isl es ruhig geworden um die ehemaligen "Paradiesvögel" wie die Vieja Arten zu ihrer Boom-Zeit in den 80er Jahren bezeichnet wurden. Ursprünglich als Cichlasoma geführt nannte man sie vorübergehend Theraps und Paratheraps, bis sie schließlich mit dem Gattlungsnamen Vieja die nomenklatorisch endgültige Bezeichnung erhalten haben.

Auf die Gattungszugehörigkeit und Artenvielfalt möchte ich hier nicht eingehen. Sondern lediglich erwähnen, daß es bei den bislang etwa 15 bekannten Vieja-Arten viele Standortvarianten mit teilweise beachtlichen Färbungs- und auch Größenunterschieden gibt. Die dann und wann von begeisterten Aquarianern nach Europa gebracht wurden. Allein von Vieja bifasciata und V. synspilum wurden mehrere unterschiedliche Formen gefunden, so daß es schlichtweg unmöglich ist, hier auf alle in unseren Aquarien gehaltenen Varianten einzugehen. Beispielsweise schwimmt bei mir eine in der Umgebung von Palenque (Mexiko) gefangene Vieja-Art, die von einigen Fachleuten als zu V. bifasciata gehörig eingestuft wurde, während sie andere als Standortform von V. synspilum ansehen.

 

Selbst im Aquarium kommt es bei Jungfischen von gleich aussehenden Elterntieren (reine Geschwisterzucht, kein "frisches Blut") mitunter zu erheblich unterschiedlich gefärbten Nachzuchten von einem normal gefärbten V.-cf.guttulata-Paar habe ich Weibchen mit und ohne rote Köpfe (!) erhalten; die Männchen hingegen zeigten alle die bekannte blau-grüne Färbung.

 

Da ich über die Haltung und Zucht der Vieja im Aquarium berichten will. ist es nicht nötig, auf die "Tüpfel-Syllspilum" aus La Esperanza, die Teapa- Vieja, die "Seewasser-Synspilum" aus Belize oder die "Schwefelkopf-Bifasciata" usw. einzugehen. Was ihr Verhalten im Aquarium angeht, gibt es bei den Vieja deutliche Unterschiede, auch wenn alle Arten der gleichen Gattung zugeordnet werden. Obwohl sie durchgehend als große und robuste Fische gelten, fordert die erfolgreiche Zucht auf die Dauer selbst den erfahrenen Aquarianer wiederholt heraus. Denn einzelne Tiere entwickeln sich mitunter zufallsgeprägten Individualisten, die dann für Überraschungen sorgen. So sind es nicht immer die Männchen , die ein nicht laichbereites oder laichwilliges Weibchen derart bedrängen und zerbeißen, daß es an den ihm zugefügten Wunden erliegt. Vor einigen Jahren hatte ich ein Wunderschön gefärbtes Paar von V. synspilum. Beide Tiere waren fast gleich groß. Das Weibchen traf regelmäßig Laichvorbereitungen in typischer Offenbrütermanier und zerstritt sich regelmäßig mit dem Männchen das in der Regel Reißaus nahm. Trotz der körperlichen Überlegenheit wurde das Männchen einmal derart zugerichtet, daß ich es zum Ausheilen der Wunden in ein separates Becken setzen müßte. Mit einem solchen Paar wird man kaum Zuchterfolge haben.

Um Mißerfolge und Enttäuschungen einzuschränken will ich zunächst ein paar grundlegende Dinge zur Aquarienhaltung sagen. Nach gängiger Meinung vieler Aquarianer haben Vieja-Arten mindestens drei entscheidende Nachteile und vielleicht sind sie deshalb in unserell Aquarien so rar geworden: Erstens sind sie den meisten Aquarianern schon weil sie aus Mittelamerika stammen viel zu ruppig, aggressiv und unverträglich. Weiterhin haben alle Vieja-Arten zartere Wasserpflanzen und sonstiges Grünzeug einfach "zum Fressen gern". Daß in den meisten Fischbiotopen und in vielen Cichlidenhabitaten kaum Pflanzen vorkommen, sollten wir bei der Gestaltung unseres Aquariums beachten, selbst wenn das biologische Gleichgewicht des Beckens das es sowieso nicht gibt außen vorbleibt. Drittens erreichen einige Vieja-Arten gut und gerne 30 Zentimeter Länge, manche bei entsprechender Mästung durch treusorgende Aquarianer auch 40 Zentimeter, beanspruchen dementsprechend viel Platz und verunreinigen das klare Wässerchen erheblich.

 

Wenn ich trotz dieser Gründe seit über zehn Jahren Vieja-Arten pflege, dann wohl deshalb, weil ich solche Vorurteile nie geteilt und mittels einiger "Kniffe" und Erfahrung die obengenannten Nachteile in den Griff bekommen habe. Vielleicht bin ich aber auch so sentimental und kann mich nicht wieder von ihnen trennen, da ich sie einfach im Laufe der Jahre liebgewonnen habe.

 

Im Vergleich zu verschiedenen Buntbarschen der Nandopsis-Verwandtschaft ("C." dovii, "C." motaguense usw. ), denen mein Herz ebenfalls gehört, sind Vieja-Arten relativ friedlich. Ein großes Aquarium mit entsprechender Filterung, regelmäßige Wasserwechsel, kaum Pflanzen, dafür aber viel Pflanzenkost und keine Rinderherzfütterung sind die wichtigsten Grundvoraussetzungen, um von herben Enttäuschungen verschont zu bleiben

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Ein wichtiger Punkt ist die Ernährung. Wenn man viele große Fische hat, versucht man meistens, ein möglichst leicht zu beschaffendes und billiges Futter zu verwenden. Früher habe ich viel Rillderherz und Katzenfutter (aus Dosen) verfüttert. Doch dem Warmblüterfleisch fehlen viele lebensnotwendige Vitamine, und so machte es bei mir die Vieja-Arten regelrecht krank. Fischfressern wie den "Guapotes" scheint diese einseitige Ernährung weniger auszumachen. Meine Vieja wuchsen zunächst recht gut und zeigten auch ansprechende Farben, verfetteten aber auf die Dauer und wurden unfruchtbar.

 

lch pflegte V.-fenestrata- und V.-synspilum-Männchen, die in zwei Jahren auf 30 bis 35 Zentimeter Länge heranwuchsen, riesige Stirnbuckel entwickelten und dann plötzlich eingingen. Meist kündigte sich das Ende ganz harmlos mit einem kleinen Loch im Kopfbereich an. Es vergrößerte sich, bis sich schließlich der ganze Stirnbuckel von hinten her auflöste. Die Prozedur dauerte manchmal weniger als zwei Wochen. Die Weibchen konnten nicht mehr laichen, der Bauchumfang nahm immer mehr zu, und irgendwann mußte ich die Tiere töten.

 

Wahrscheinlich verfetten die meisten unserer Aquarienfische. Durch die räumliche Enge können sie sich nur bedingt bewegen, verbrauchen weniger Energie und erhalten gleichzeitig mehr Futter als ihre Artgenossen in der Natur. Freilebende Vieja-Arten brauchen mehrere Jahre, bis sie die 30-Zentimeter-Marke überschreiten. Viele werden vorzeitig weggefischt oder aufgrund ihres Alters von jüngeren Tieren verdrängt.

Ein empfehlenswertes Futter ist der in einem Cichlidenbuch ("Cichliden - artgerecht gepflegt", Ad Konings) beschriebene "Cichliden-Mix", der ursprünglich für afrikanische Buntbarsche gedacht war. Die darin enthaItenen Garnelen und Erbsen werden von allen (!) Mittelamerikanern gern und gierig gefressen, und das Wasser wird weitaus weniger belastet als bei Rinderherzfütterung. Tiere, die nie vorher "Cichliden-Mix" bekamen, stürzten sich schon am ersten Tag auf dieses Futter. Sein pflanzlicher Anteil ist für die langsam verdauenden Vieja, die einen wesentlich längeren Darm als Fischfresser (zum Beispiel Petenia) besitzen, besonders wichtig.

 

 

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die richtige Filterung. Vergessen wir ruhig alles, was der Handel anbietet und preist. Es ist fast egal, welchen Filter man einsetzt, ob man eine Kreiselpumpe oder das Luftheberprinzip, Außen- oder Innenfilter verwendet. Wichtig ist lediglich, daß zwei Prinzipien erfüllt werden. Das Medium muß erstens möglichst viele Bakterien beherbergen können, und zweitens muß das Wasser irgendwie (!) durch die Filtermasse fließen. Nach jahrelangen Experimenten (selbstgebaute Rieselfilter,Hochleistungs-Schnellfilter, Topfkratzer als Filtermaterial, Monstera-Wurzeln als Nitratbeseitiger usw. ) habe ich mit einem erst seit ein paar Jahren erhältlichen, blauen, offenporigen Filterschaum ein Material gefunden, daß die Stoffwechselprodukte dank der riesigen, mit Bakterien besiedelten Oberfläche schneller und besser abbaut als alle vorgenannten Filtermaterialien. Mußte ich früher spätestens alle drei Wochen meine Filter reinigen, weil sie sonst "zugemacht" hätten, so beschränkt sich dieser Vorgang nun auf etwa einmal pro Quartal. Selbst im Schaubecken im Wohnzimmer läßt sich ein rechteckiges, sechs bis acht Zentimeter dickes Stück an einer Seitenscheibe so geschickt anbringen, daß man dahinter den Heizstab und die Tauchpumpe bzw. den Luftheber verbergen kann. Eine im 90-Grad- Winkel zur Seitenscheibe eingeklebte Glasscheibe nimmt den Schaumstoff auf. Nach vorn läßt sich das Glas gut mit Korkrinde, Schiefer oder Sandstein verkleiden.

 

Damit sind die grundlegenden Dinge zur Haltung von Vieja-Arten angesprochen. Daß ihre Pflege in eillem 100-Zentimeter-Aquarium auf die Dauer nicht möglich ist, weiß der Leser sicher auch. Also wenden wir uns den Fischen selbst zu....

 

Ein erster Punkt: Manchmal vergleiche ich die Vieja mit alten Bäumen; die soll man nicht mehr verpflanzen. Beim Umsetzen alter, ausgewachsener Tiere ergeben sich oft Probleme. Gemeint ist nicht der Umzug von einem Aquarium in das nebenstehende, wo sehr ähnliche Wasserbedingungen herrschen, sondern zum Beispiel der mehrstündige Transport über viele Kilometer. Offensichtlich passen sich die Fische der maßen an das bestehende Milieu an, daß sie solche Aktionen nicht gut vertragen. Am besten richtet man sich nach dem altbekannten, vielzitierten Satz: Aus einer Gruppe von sechs bis zehn Jungtieren ziehe man sich ein oder zwei "harmonierende" Paare heran, "Harmonierend" habe ich bewußt in Anführungsstriche gesetzt. Normalerweise finden sich aus einer Jungfischgruppe mittelamerikanischer Großcichliden spätestens bei einer Größe von 15 bis 20 Zentimetern Partner zusammen. Zuerst zeigen sie nur Imponiergehabe, doch dann folgt schnell das obligatorische Buddeln (spätestens jetzt hätten die meisten Pflanzen keine Chance mehr) und irgendwann laichen die Tiere in typischer Offenbrütermanier ab. Meist wird sich der Aquarianer von den restlichen Tieren trennen; vielleicht behält man ein zweites Paar. (Seltsamerweise habe ich bei der Aufzucht diverser Vieja-Arten stets einen Männchen-Überschuß erhalten, den man normalerweise nur schwer wieder loswird.)

 

Vieja-Arten laichen, die oben beschriebene Methode vorausgesetzt, ohne Schwierigkeiten. Probleme treten erst dann auf, wenn man die restlichen Tiere aus Platzmangel abgibt. Das frischgebackene Paar, nun nicht mehr durch Artgenossen gestört, beginnt sich nämlich zu streiten und denkt keineswegs daran, Nachwuchs in die Welt zu setzen. Diese Erfahrung machte ich bei den meisten von mir gepflegten Vieja-Arten, wenn auch mit Unterschieden.

 

Vom Verhalten her glaube ich, die Vieja-Arten in zwei Gruppen einteilen zu können. In die erste stelle ich V. fenestrata , V. cf. guttulata, V. maculicauda und V. zonata. Als zweite Gruppe sehe ich V. bifasciata (mit allen Varianten), V. melanurus und V. synspilum (ebenfalls mehrere bekannte Formen). Vermutlich lassen sich die restlichen Vieja (V. argentea, V. breidohri, V. hartwegi, V. heterospilus, V. regani, V. tuyrensis usw.) auch grob auf diese beiden Gruppen verteilen.

 

Vertreter der ersten Gruppe zeichneten sich bei mir durch folgende Eigenschaften aus. Die Paarbildung war recht einfach, die Paare harmonierten in der Regel weiter, wenn die Artgenossen entfernt wurden; es gab selten Beißereien zwischen den Geschlechtern, und die Jungfische, die beim Freischwimmen größer als die Jungtiere der zweiten Gruppe sind und deutlich schneller wachsen, erwiesen sich stets als sehr robust.

 

Die zweite Gruppe weist folgende Merkmale auf. Die Paarbildung ist schwieriger, die Partner streiten häufiger, so daß die Zucht scheitert. Dazu ein Beispiel: Aus einer Gruppe von sechs V. synspilum fand sich mit etwa 18 und 15 Zentimeter Länge ein junges Paar, das bald in Gegenwart der Artgenossen ablaichte und bereits beim ersten Laichen die Jungfische fürsorglich großzog. Natürlich hatten die heranwachsenden Jungtiere auf die Dauer keine Chance gegen die zahlreichen Freßfeinde im Aquarium. Kurz danach gab ich die überzähligen Tiere ab. Mittlerweile sind zwei Jahre vergangen. Das Paar ist prächtig gewachsen; das Weibchen laicht gelegentlich allein, und das Männchen nimmt dabei stets Reißaus. Eine Zucht ist nicht mehr möglich, da die Fische keine anderen Geschlechtspartner annehmen. Mit diesem extrem negativen Beispiel will ich nur zeigen, welche Probleme bei der Haltung von Vieja-Arten den Aquarianer schier zur Verzweiflung bringen können.

 

Bei den Jungfischen dieser Gruppe stellte ich fest, daß sie langsamer als Vertreter der ersten Gruppe wuchsen und bezüglich schlechter Wasserqualität durch Überbesetzung im Aufzuchtaquarium viel anfälliger waren. Bestimmt haben andere Aquarianer andere Erfahrungen gemacht, doch alle meine bislang gepflegten Vieja-Arten Iießen sich diesen beiden Gruppen zuordnen.

 

Allerdings haben die "Paradiesvögel" eine ganz bestimmte Gemeinsamkeit; auf die ich noch näher eingehen will. In den letzten Jahren boomte der Handel mit Großwelsen. Bedingt durch immer größer werdende Aquarien, verbesserte Filterverfahren und "fleißigere" Pfleger (auf Altwasser schwört niemand mehr), stieg die Nachfrage vor allem nach südamerikanischen "Speise"-Welsen, wie wir sie aus öffentlichen Schauaquarien kennen. Es sei dahi.gestellt, ob sich Tiere, die in der Natur Längen von einem Meter und mehr erreichen können, überhaupt im Aquarium halten lassen. Überleben werden sie wohl, aber ist es nicht Tierquälerei, Fische derart einzuengen? Leider blieb auch ich nicht von dieser Welle verschont. Dabei stellte ich fest, daß sich die Vergesellschaftung mit Großwelsen immer negativ auf die Harmonie bzw. das LaichverhaIten der Vieja-Arten auswirkte. Im Gegensatz dazu ließen sich die Buntbarsche der Nanadopsis- Verwandtschaft nicht von den Welsen abhalten, am laufenden Band Nachkommen zu produzieren.

 

In letzter Zeit wurden vor allem Pimelodiden und Doradiden verstärkt nach Europa importiert. Bekannte Arten, wie Perrunichthys perruno und Phractocephalus hemioliopterus, sind im Aquarium recht aggressiv und stören durch ihre nächtliche Unruhe die Vieja-Arten erheblich. Sie belaslen die Cichliden mit ihren langen Barteln und schieben sie gelegentlich sogar mit dem Kopf zur Seite. Aber auch ruhige Welse, wie Pseudoplatystoma sp., Pseudodoras niger usw., werden in der Nacht lebendig und rauben vermutlich so den Vieja die nötige Ruhe. Bei mir haben die Cichliden durch das Einbringen auch nur eines dieser Welse ihr Laichverhalten schlagartig geändert. Die mitunter körperlangen Maxillar-Barteln der Pimelodiden berührten in kurzen Abständen alle Fische im Aquarium. Auch die Vergesellschaftung mit 30 bis 40 Zentimer großen Saugwelsen (etwa der Gattungen Glyptoperichthys oder Pterygoplichthys) ist nicht zu empfehlen.