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Es muß nicht immer sauer sein:
Beobachtungen zur Brutpflege von Crenicichla regani "Santarem"
von Thomas Weidner

Als ich vor dreieinhalb Jahren Crenicichla regani "Santarem" bekam war das die zweite Hechtcichlidenart, die ich pflegte. Es handelte sich um ein Wildfangmännchen und drei Nachzuchtweibchen von Regionsmitgliedern. Damals träumte ich nur von einer möglichen Nachzucht, denn der Aufwand, der in der Literatur angegeben war , schreckte mich doch etwas ab, und so vertröstete ich mich darauf, diese Art wenigstens über einige Jahre halten zu können.
Die vier Tiere wurden in ein 250-Liter-Becken gesetzt, das sie mit einigen Erdfressern teilen mußten. Das Wasser hatte eine Härte von rund 20 Grad dGH, 18 Grad KH und einen pH-Wert von 8,0. Der Nitratgehalt schwankte je nach Jahreszeit zwischen 10 und 30 Milligramm pro Liter. Die Temperatur stellte ich auf 26 Grad Celsius ein. Das Wildfangmännchen konnte ich in den ersten Wochen nur mühevoll mit roten Mückenlarven ernähren, von denen es pro Tag auch nur wenige annahm. Anders verhielten sich die Weibchen, die sich sofort auf alles gebotene Futter stürzten und sich jedesmal einen prallen Bauch anfraßen. Nach einigen Wochen nahm das Männchen schließlich auch anderes Futter an, so daß die Ernährung kein größeres Problem mehr darstellte. Von diesem Zeitpunkt an passierte ein Jahr lang absolut gar nichts, so daß man die vier Crenicichla nur zur Fütterung zu Gesicht bekam. Nach einem Jahr mußte ich ein Weibchen ausquartieren, da es von seinen Artgenossen so sehr gejagt wurde, daß es nicht mehr an das Futter kam. Kurz darauf machte es sich ein Pärchen dann unter einer Steinplatte bequem und vertrieb jeden Fisch vehement aus der näheren Umgebung. Meine Freude war natürlich groß, obwohl ich teilweise um die Erdfresser bangen mußte, die nun den Attacken des Pärchens ausgeliefert waren, was sich auch an einigen Verletzungen ihrer Flossen bemerkbar machte. Ich machte mir immer noch keine großen Hoffnungen auf eine mögliche Nachzucht, denn sämtliche Artikel in der aquaristischen Literatur nennen ein extrem weiches Wasser mit einem pH- Wert um 5,0 bis 6,0 als unumgängliche Voraussetzung. Die einzige Ausnahme waren die Tiere von Uwe Werner" die er in DATZ 1991 beschrieb und die er in einem härteren Wasser züchtete, das noch dazu einen leicht alkalischen pH- Wert besaß.

Das Pärchen wählte seine Höhle so geschickt, daß es mir unmöglich war, auch nur den geringsten Einblick zu bekommen, und so kann ich bis heute nicht mit Sicherheit sagen, ob es damals wirklich zu einer Eiablage kam, denn schließlich sah ich nie einen Jungfisch in diesem Becken.
Als aber ein weiteres Jahr später ein Umzug anstand, besorgte ich mir einen Vollentsalzer. Mein Problem war damals allerdings, daß ich weder Lust noch Laune verspürte, sämtliche Aquarien mit vollentsalztem Wasser zu füllen, und so mußten die Crenicichla regani weitere sechs Monate warten, bis sie endlich einen Platz in einem solchen Aquarium zugewiesen bekamen, das sie aber wieder mit einigen anderen Cichliden teilen mußten. Die Wasserwerte in diesem Becken: pH 6,5, 3 Grad dGH, keine nachweisbare Karbonathärte, 26 Grad Celsius, Nitratgehalt 20 Milligramm pro Liter. Bei diesen Wasserwerten warben die Weibchen viel aktiver um die Gunst des Männchens, das aber nicht zu wissen schien, welchem Weibchen es folgen sollte, denn schließlich präsentierten alle ihren verführerisch roten Bauch. Um nun doch zu den langersehnten Jungfischen zu kommen, bat ich eine Bekannte, die einen Töpferkurs belegt hatte, mir bzw. den Crenicichla eine Tonröhre zu formen, wie sie Wolfgang Windisch in DCG 2/1991 beschrieben hat.
Als die Röhre im Aquarium lag, dauerte es nur wenige Minuten, bis das erste Weibchen sie für sich entdeckte und gegen die beiden anderen Weibchen verteidigte. Das schien dem Männchen zu imponieren, und die Wahl war entschieden. Die Folge war nun natürlich, daß die beiden anderen Weibchen stärker als zuvor, vor allem durch die Höhlenbesitzerin, bedrängt wurden.
Von nun an ging alles Schlag auf Schlag. Das Weibchen balzte ständig vor dem Männchen, das sich nicht mehr lange bitten ließ und auch das Weibchen endlich anbalzte. Eine Woche später sah man das Weibchen nur noch selten außerhalb der Höhle, und das Männchen übernahm die Verteidigung des Reviers. Die Fische mußten also endlich abgelaicht haben. Nun wurde meine Geduld erneut auf die Probe gestellt, denn W. Windisch riet ja davon ab, in die Bruthöhle hineinzuleuchten, und so mußte ich zehn Tage lang warten, bis ich schließlich die ersten jungen Crenicichla regani außerhalb der Bruthöhle sehen konnte. Das Weibchen verließ die Bruthöhle während dieser Zeit äußerst selten, und zwar nur, um sehr mutige Fische zu vertreiben oder um Futter aufzunehmen. Das Männchen machte in dieser Zeit den anderen Cichliden von Tag zu Tag mehr zu schaffen, was sich bei fast allen Tieren in ausgefransten Flossen zeigte. Als die kleinen Crenicichla endlich freischwammen, wurden beide Elterntiere noch aggressiver, und so beschloß ich, ihnen einige Jungfische zu nehmen und in ein Zuchtbecken umzusetzen, um sie separat aufzuziehen. Die bei den Eltern gelassenen Jungen waren zwei Tage später nicht mehr zu sehen, und das Männchen vertrieb das Weibchen aus seiner näheren Umgebung, ohne es allerdings zu verletzen. Die separat aufgezogenen Crenicichla hatten innerhalb von fünf Wochen eine Größe von fünf Zentimetern erreicht, und nach weiteren fünf Wochen konnte man bei einer Größe von maximal sechs Zentimetern die Geschlechter unterscheiden. Trotz des relativ hohen pH- Wertes von 6,8 war das Geschlechterverhältnis weitgehend ausgewogen. Unter denselben Bedingungen laichte das Pärchen sechs Wochen später erneut ab. Da ich nun stolzer Besitzer von 60 Crenicichla regani war, mir die anderen Fische in dem Aquarium inzwischen leid taten und der Absatz an Crenicichla nicht dem von "Eierkohlen" entspricht, entschloß ich mich, das Pärchen in ein Aquarium mit Leitungswasser zu setzen, um es nur ,"auf Wunsch" wieder zur Zucht anzusetzen. Doch diese Rechnung hatte ich ohne die Fische gemacht, denn sechs Wochen später laichten sie in Leitungswasser ab. Ich harrte der Dinge, die da kommen sollten, und stellte drei Tage lang nichts Sonderbares fest, was heißen soll: Das Weibchen stand in der Höhle, und das Männchen verteidigte das Revier. Am vierten Tag konnte ich auf den ersten Blick in der Höhle kein Weibchen mehr finden. Auch in Bodennähe war keine Spur des Weibchens zu sehen. und erst, als ich die Wasseroberfläche absuchte, fand ich ein ziemlich mitgenommenes Weibchen mit einigen Schrammen und ausgefransten Flossen. Ich wollte aber nicht eingreifen, denn oft werden solche Raufereien meist nach einigen Tagen wieder beigelegt, was auch hier der Fall war.
Sechs Wochen später wurde wieder gebalzt, abgelaicht und betreut. Doch diesmal vertrug sich das Pärchen über die vier Tage hinaus bis zum zehnten Tag, an dem ich schließlich eine an die 100 (!) Stück zählende Jungfischwolke vor dem Höhleneingang sehen konnte! Mich überraschte die Menge der Jungtiere; niemals war die Brut größer als bei diesem"Wurf". Da ich aber nicht den gesamten Schwarm aufziehen wollte, ließ ich die Jungen zur weiteren Beobachtung bei den Eltern und fischte nur die Tiere ab, die sich in den Filter verirrten. Die weitere Brutpflege der Eltern dauerte noch zwei Monate. In dieser Zeit verteidigte das Männchen äußerst aggressiv das Revier, so daß ich ernsthaft überlegte, ob ich die anderen Beckeninsassen entfernen sollte. Die Jungen suchtcn nach dem Verlöschen der Beleuchtung jeden Abend die Bruthöhle auf, die vom Weibchen bewacht wurde. Nach diesen zwei Monaten wurden die Kleinen immer frecher, was zur Folge hatte, daß es immer weniger wurden, denn das Wachstum unter diesen Bedingungen verlief wesentlich langsamer; so hatten die Tiere nach vier Wochen nur drei und nach acht Wochen nur vier Zentimeter Länge, waren aber für ausgewachsene Erdfresser durchaus noch zu bewältigen. Das geringere Wachstum wird wohl auch eine Auswirkung der ungezielten Fütterung gewesen sein, die in einem mit weiteren Cichliden besetzten 300-Liter-Becken wesentlich schwieriger ist als in einem Zuchtbecken. Nach den zwei Monaten war die Brut auf 25 Tiere zusammengeschrumpft, 13 Tiere, die ich aus dem Filter gerettet hatte, mitgerechnet. Ich hatte nun also zwölf Tiere, die bei den Eltern geblieben waren, und 13 Tiere, die drei Wochen in einem Biofilter verbracht hatten und danach in ein separates Aquarium umgesetzt worden waren. Es handelte sich um 17 Weibchen und acht Männchen. Wie man sieht, braucht man nur Geduld und sollte seine Tiere nicht sofort wieder abgeben, nur weil es mit der Nachzucht nicht gleich klappen will. Es reicht bei vielen Amerikanern eben nicht aus, daß man sich auf die Schnelle ein Pärchen besorgt und nach einem halbenJahr "die Ernte einfahren" kann. Crenicichla regani muß man ohnehin über einen längeren Zeitraum pflegen, will man den " wahren Charakter" dieses interessanten Zwergcichliden entdecken.
Literatur
Ploeg, A. (1989) Zwei neue Arten der Gattung Crenicichla Heckel I840 aus dem Amazonasbecken, Brasilien. D. Aqu. u. Terr. Z. (DATZ) 42 (3) 163-167
Wedekind, H. (1993) Zur Vererbung des Geschlechts bei Cichliden DCG-Informn. 24 ( 12) 253- 263
Werner, U. (1991) Ein Zwerg der riesig ankommt. Crenicichla regani Ploeg, 1989. D. Aqu. u. Terr. Z. (DATZ) 44 ( 10) 625-627
Windisch, W. (1991) Crenicichla regani - die Zucht. DCG lnformn. 22 (2) 27- 35