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Ein neuer Gymnogeophagus
von Guido Kirsten
Im letzten Sommer bemerkte ich bei einem Streifzug durch einige Aquariengeschäfte
in einem Verkaufsbecken eine Gymnogeophagus- Art, die ich auf den ersten Blick für
Gymnogeophagus gymnogenys, hielt. Bei genauerem Hinsehen fiel mir jedoch auf, dass
die Tiere erhebliche Unterschiede zu allen anderen mir bekannten Gymnogeophagus-
Arten aufwiesen. Fieberhaft überlegte ich, wie ich in meinen gut besetzten Aquarien
noch Platz schaffen könnte.
Schließlich entschied ich mich dafür, ein Männchen und mehrere Weibchen mitzunehmen. Zu Hause angekommen, setzte ich sie in ein 70- Zentimeter- Becken mit leicht saurem Wasser von 16 Grad dGH bei 25 Grad Celsius Wassertemperatur. Das Männchen entwickelte in den nächsten Monaten eine prächtige hellgelbe Stirnhaube und beherrschte das ganze Aquarium. Die Weibchen hatten sich in verschiedene Unterstände zurückgezogen und verteidigten sie gegenüber ihren Artgenoss(inn)en.

Zehn Tage später bemerkte ich ein Weibchen. dass eine gelbliche Körpergrundfarbe angenommen hatte; ein sicheres Zeichen dafür, dass die Nachzucht nicht mehr lange auf sich warten lassen würde! Etwas später stand dieses Weibchen mit deutlich sichtbarer Legeröhre in der Öffnung einer ausgehöhlten Kokosnuß. Das Männchen umwarb das Weibchen mit der auch von "Geophagus steindachneri" bekannten "Mümmelbalz". Am nächsten Morgen waren auf dem Boden der Nußschale etwa 30 hellgelbe Eier zu sehen, die spärlich mit Kies bedeckt waren. Zwei Tage später saugte das Weibchen die Larven aus den Eihüllen, die deutlich sichtbar auf dem Substrat kleben blieben. Zwölf Tage später wurden etwa 20 kleine Jungfische aus dem Maul entlassen. Die kleinen Gymnogeophagus fraßen gierig jedes dargebotene Futter passender Größe.
Bei Gefahr und bei Nacht nahm die Mutter ihren Nachwuchs immer wieder ins Maul auf. Leider kann ich über die weitere Aufzucht nicht berichten, da durch eine "pH Panne" beim Wasserwechsel alle Jungfische das Zeitliche segneten und die Alttiere seither nicht wieder abgelaicht haben. Sonst erwies sich diese Art jedoch als ungemein robust. Wie ihre Verwandten G. balzanii und G. gymnogenys haben auch die neuen Gymnogeophagus auf festem Substrat abgelaicht. Von Gymnogeophagus gymnogenys ist allerding auch das Ablaichen auf Sand bekannt.
Ebenso laichte Gymnogeophagus labiatus in Sandkuhlen ab (Steves; pers. Mitteilung), obwohl auch andere Substrate vorhanden waren. Kurioserweise benutzten meine G. labiatus Blätter von Anubias barteri und Rotem Tigerlotus als Laichsubstrat. Es wird wohl noch einige Versuche bedürfen, um zu klären, von welchen Kriterien die Wahl des Substrats letztlich abhängt.

Bemerkenswert ist ferner, dass auch die neue Gymnogeophagus- Art von ihrem Äußeren her ganz den anderen larvophilen Gymnogeophagus- Arten entspricht, wohingegen sich die offenbrütenden Gymnogeophagus, wie etwa Gymnogeophagus meridionalis, schon durch eine völlig andere Silhouette unterscheiden.- Vielleicht müssen wir Aquarianer bald wieder einen neuen Gattungsnamen lernen?
Literatur
Reis, R. E.,& L. R. Malarbara (1988):
Revision of the Neotropical Cichlid Genus Gymnogeophagus Ribeiro, 1918, with Descriptions of two new species (Pisces, Perciformes).
Rev. Bras. Zool. 4 (4): 259 - 305.
Schulz, T. (1991): Gymnogeophagus gymnogenys - ein Zuchtbericht. DATZ. 44 (12): 771 - 774.
Stawikowski, R., & Werner, U. (1988): Die Buntbarsche der Neuen Welt - Südamerika. Essen.