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  Crenicichla edithae Ploeg, 1991   

   

von Uwe Werner  

 

 Noch im Pullover tüten wir frühmorgens die kleinen Crenicichla ein.

 

 

 

Die räuberischen Hechtbuntbarsche der südamerikanischen Gattung Crenicichla sind sowohl von wissenschaftlicher als auch von aquaristischer Seite immer etwas stiefmütterlich behandelt worden. Doch das scheint sich zumindest ansatzweise zu ändern: Alex Ploeg hat Revisionen und Neubeschreibungen veröffentlicht, und verschiedene DATZ-Artikel zeigen, dass sich auch Importeure und Aquarianer verstärkt um diese interessanten Fische bemühen. Insider wissen, dass wir von den Hechtbuntbarschen nur die "Spitze des Eisberges" kennen, an der wir im Moment verstärkt herumkratzen. Ich sage "wir", weil auch wir Aquarianer unseren Beitrag Ieisten sei es durch Verhaltensbeobachtungen oder Fotos So brachte ich aus Brasilien im Sommer 1988 eine ganze Anzahl Hechtbuntbarsche mit, von denen sich im Laufe der Zeit herausstellte, dass sie womöglich acht (! ) verschiedenen Arten angehören, von denen ich bis heute lediglich zwei korrekt benennen kann, Die erste ist eine Zwerg-Crenicichla-Art, die Ploeg in DATZ 3/1989 als Crenicichla regani beschrieben hat. Die zweite Art ist ebenfalls von Ploeg, aber erst 1991 beschrieben und nach seiner Frau Edith benannt worden. Crenicichla edithae gehört in die sogenannte "saxatilis-Gruppe" und damit in einen Formenkreis, dem spitzköpfige, schnellwüchsige und in etwa sechs Monaten

 

Männchen von Crenicichla edithae

 

 

Weibchen von C. edithae erkennt man an den kräftigen Flossensäumen und dem rötlichen Bauch; bei der Gelegepflege werden sie dunkel.

 

geschlechtsreife, im Vergleich zu anderen Crenicichla aber nur mittelgroße Arten angehören. Sie alle besitzen verhältnismäßig wenige Rückenflossenstacheln (etwa 17), große und wenige Schuppen und bestimmte farbliche Grundmuster, zu denen ein Seitenfleck und ein dunkles Längsband von der Schnauze durch das Auge bis zum Rand des hinteren Kiemendeckels gehören, das je nach Stimmung bis in die Schwanzflosse fortgesetzt erscheint, sowie ein Augenfleck im oberen Teil der Schwanzflossenbasis, Außerdem treten im Rückenbereich gelegentlich dunkle Querbänder hervor. Bei den bisher bekannten Arten dieser Gruppe sind geschlechtsreife Männchen und Weibchen immer deutlich unterschiedlich gefärbt. Als wir C, edithae in Brasilien fingen, waren sie noch unbeschrieben. so dass wir provisorisch vom "Rosario-Hechtbuntbarsch" sprachen. Noch 1990 schrieb mir Sven KuIlander, dass es sich um eine Lokalform von C, lepidota handeln könne. Und in der Tat kann man in Ploegs Erstbeschreibung von C, edithae nachlesen, dass die Art bislang mit C. lepidota "in einen Topf" geworfen wurde. Seine Vergleiche mit dem Typulsmaterial ergaben aber, dass C. edithae eine längere Schwanzflosse und einen längeren und höheren Kopf besitzt. Außerdem zählte er bei C. edithae weniger Schuppen. Als weiteres Merkmal dieser Art nennt Ploeg einen unterbrochenen Streifen vom oberen Augenrand bis zum Kiemendeckel.

Dieses Merkmal soll vor allem bei Exemplaren aus dem Rio Parana besonders ausgeprägt sein, was bei Tieren aus den Stromgebieten der Flüsse Madeira, Paraguai und Rio Grande do Sul offensichtlich weniger der Fall ist. Die Art scheint jedenfalls südlich des Amazonas-Systems weit verbreitet zu sein, kommt aber wohl auch im Tocantins bzw, im Rio das Mortes vor. Als wir 1988 eine Behelfsbezeichnung suchten, bezogen wir uns auf den Fundort: Etwa 120 Kilometer nördlich von Cuiaba übernachteten wir in der Ortschaft Rosario Oeste, um am folgenden Morgen weiter nach Norden zu fahren: Kurz vor Nobres überquerte die Straße einen schmalen Bach, der offensichtlich in den Rio Cuiaba entwässert und damit schon zum Einzug des Rio Paraguai gehört. Allerdings handelt es sich hier um kleinere Oberläufe (wie etwa Rio Serragen I oder Serragen II), die außerhalb und nördIich des

 

Ein Weibchen von Crenicichla edithae im Schwarm seiner zahlreichen frei schwimmenden Jungfische.

 

sogenannten "Pantanal" Iiegen. Wahrscheinlich hätten wir den Bach sogar übersehen, wäre er nicht Iinks der Straße zu einem flachen See gestaut gewesen. Tote Bäume standen oder lagen im glasklaren Wasser, und zwischen Ästen und Wurzeln wucherten Sumpfgewächse, Während die Schwimmpflanzen am Gewässerrand steIlenweise einen geschlossenen Teppich bildeten, trieben dort, wo das Wasser schon tiefer war, nur hier und da kleine Pflanzeninseln. Was mochte sich hier, in diesem unzugänglichen, verkrauteten und wirren Durcheinander von Wasserpflanzen, Sumpf und Holz wohl alles verbergen? Meine Reisebegleiter brachten es auf den Punkt " Wenn es hier keine Krokodile und Schlangen gibt, wo soll es sie dann sonst geben?" Und auch die vielen Schnecken, die selbst bei oberflächlichem Hinsehen sofort ins Auge fielen, bemerkten wir nicht gerade mit Freude. Schrie uns hier die Bilharziose nicht geradezu entgegen?

 

 

Pärchen von Crenicichla edithae bei der Betreuung der zahlreichen Jungfische.

 

Doch als wir dann die ersten Buntbarsche entdeckten. warfen wir unsere Bedenken über Bord und nahmen unsere Kescher zur Hand. Es war kurz nach 7 Uhr und noch so erstaunlich kalt, dass wir nicht einmal unsere Pullover auszogen. Im nördlichen Mato Grosso herrscht nämlich Savannenklima, und im " Winter" (von April bis August) können die Temperaturen trotz heißer Sonnentage ohne jeden Tropfen Regen in den Nächten bis auf etwa 12 Grad Celsius zurückgehen. Deshalb ist auch das Wasser kalt, so dass wir uns nicht wunderten, dass alle gefangenen Fische von Ichthyo-Parasiten befallen waren. Dass sie hier aber 21 Grad Celsius "aushielten" und der pH- Wert knapp über 8 lag, überraschte uns sehr, auch dass das Wasser derart "weich" war, dass wjr mit unlseren flüssigen Reagenzien gar keine Härte feststellen konnten, ist bemerkenswert. Die unscheinbaren Hechtcichliden, die wir etwa 4000 Kilometer über heißen Asphalt und holperige Schotterpisten mitschleppten, steckten die Transportstrapazen erstaunlich gut weg und schafften auch den Sprung über den großen Teich., Bei kräftiger und abwechslungsreicher Fütterung wuchsen sie in unseren Aquarien bei unterschiedlichen Wasserwerten problemlos und explosionsartjg heran, wobei sich ihre Aggressivität gegenüber Artgenossen zumindest so lange in erträglichen Grenzen hielt, wie sie als Gruppe zusammenblieben.

 

Brutpflege ist mühsam: gähnendes Weibchen.

Crenicichla aus dem Pantanal, möglicherweise C. lepidoda.

 

Im Laufe der Zeit trat das für diese Crenicichla-Art typische Zeichnungsmuster immer ausgeprägter hervor: Sein wichtigstes Element ist ein kräftiges, schwarzbraunes Längsband, das von der Oberlippe bis zum Ende der Schwanzflosse reicht und in jeder Stimmung zu sehen ist. Unterbrochen wird es durch das Auge und hinter dem Kiemendeckel, wo sich ein bcsonders großer, geringfügig durch Glanzschuppen durchbrochener Schulterfleck befindet, der hinten mit dem Längsband verschmilzt; es ist unten verhälnismäßig gerade abgesetzt, während es oben in regelmäßigen Abständen Verdickungen aufweist, die auf etwa acht bis neun Rückenbinden hindeuten, die bei Erregung hervrtreten. In der Normalfärbung schwankt die Zahl der Verdickungen allerdings meist zwischen vier und sechs. Bei den Männchen wird das Längsband an seiner Oberseite von wenigen und feinen goldenen Tüpfeln begleitet, wie sie sich in den vertikalen Flossen finden. Der kleine Fleck auf der Schwanzwurzel ist golden eingerahmt. Bei den Weibchen fehlen sämtliche Goldtüpfel, so dass das Längsband schärfer abgegrenzt erscheint und der Schwanzfleck in das Band einbezogen ist, Anale und Dorsale sind breit gesäumt. Diese Art besitzt, was für Hechtbuntbarsche der "saxatilis-Gruppe" ungewöhnlich ist, im weiblichen Geschlecht keine auffällige Dorsalzeichnung aus Flecken, Streifen oder einem mehrfarbjgen Saum. Dennoch sind die Weibchen intensiver gefärbt: Auffällig sind die gelben Kiemendeckel und der zur Balzzeit dunkelrote, später blaßrote Bauch. Die Weibchen sind aber so gut wie immer dunkler als die Männchen. Bei älteren Weibchen kann in der Rückenflosse zumindest zeitweise eine Längsreihe verwaschener Tupfen auftauchen.

 

Crenicichla edithae ist vergleichsweise hochrückig und plump gebaut, so dass auch die Flossen recht kurz sind. In der Rückenflosse kann ich auf meinen Bildern etwa 16 bis 17 Stacheln ausmachen. Die Schwanzflosse ist nur mäßig gerundet und oben und unten schräg abgeschnitten. Das durch einen schräg nach unten verlaufenden dunklen Strich akzentuierte Auge sitzt weit vorn, so dass sich der Eindruck eines stumpfen Kopfprofils ergibt. Da den Weibchen die Dorsalzeichnung fehlt, bereitete die Geschlechtsbestimmung anfangs große Schwierigkeiten. Erst bei einer Größe von etwa zwölf Zentimetern ließen sich Männchen und Weibchen anhand der unterschiedlichen Färbung, der Form und am Verhalten verläßlich unterscheiden. Uns fiel auf, dass die Weibchen offensichtlich alle vorgewachsen waren, was bei den Crenicichla dieses Formenkreises nach meiner Erfahrung durchaus nicht ungewöhnlich ist. Sie laichten mit den stärksten Männchen, sobald die den Wachstumsrückstand aufgeholt hatten.

 

Crenicichla vittata, unten das Weibchen.

 

Dje Zucht gelang ohne Schwierigkeiten. Schon nach einer kurzen Balzphase, während derer das die Initiative ergreifende Weibchen wiederholt vor einem der Männchen seine verlockende Körperfülle zur Schau stellte, indem es mit S-förmig gekrümmtem Körper den roten Bauch präsentierte, kam eine deutliche Paarbildung zustande. In der Folgezeit standen beide Tiere häufig beieinander, balzten wechselseitig und spuckten Sand und Kies aus einem Unterstand. Schließlich laichten sie an einer überhängenden Fläche, woraufhin das Weibchen die Eier und die nach vier Tagen schlüpfenden Larven betreute, während das Männchen das Umfeld sicherte. Zu dieser Zeit intensivierten sich alle dunklen Zeichnungselemente, was vor allem für das Weibchen gilt. Als die Jungfische am neunten Tag frei schwammen, führten sie Männchen und Weibchen gemeinsam mit zuckenden Flossen durch ihr Aquarium. Man muß wohl davon ausgehen, dass C. edithae trotz der Tatsache, dass die Art sich ohne weiteres züchten läßt, keine große aquaristische Zukunft hat. Die Crenicichla werden, auch wenn es nicht gerechtfertigt ist, immer wieder in unangemessener Weise schlecht gemacht, so dass man sich nur um die prachtvollsten und die kleinen Arten bemüht. Die hier vorgestellten Fische sind aber nicht bunt genug und werden wohl auch zu groß, obwohl man dje Endgröße vorerst nur schätzen kann. Ich gehe aber davon aus, dass zumindest die Männchen um 22 Zentimeter Gesamtlänge erreichen.